In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie eine Suchstrategie aufbauen, MeSH-Begriffe und Boolesche Operatoren gezielt einsetzen, Filter sinnvoll nutzen, weitere Datenbanken wie die Cochrane Library einbeziehen und Ihre Suche so dokumentieren, dass sie in der Methodik Ihrer Arbeit nachvollziehbar ist.
1. Vor der Suche: die Fragestellung präzisieren
Die häufigste Ursache für eine ausufernde Recherche ist eine unscharfe Frage. Bevor Sie eine Datenbank öffnen, sollten Sie Ihr Thema in seine Bestandteile zerlegen. In der klinischen Forschung hat sich dafür das PICO-Schema bewährt: Patientengruppe (Population), Intervention, Vergleich (Comparison) und Endpunkt (Outcome).
Ein Beispiel aus der Kardiologie: Statt „Antikoagulation bei älteren Menschen“ formulieren Sie „Führt eine Therapie mit direkten oralen Antikoagulanzien bei Patienten über einem bestimmten Alter mit Vorhofflimmern im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten zu weniger schweren Blutungen?“. Aus jedem PICO-Element entsteht später ein Suchblock.
Diese Vorarbeit ist auch für Ihre Disposition oder Ihr Exposé wertvoll, denn dort müssen Sie Forschungsfrage und relevante Literatur ohnehin darstellen.
2. PubMed verstehen: was die Datenbank leistet
PubMed ist eine frei zugängliche Suchoberfläche der US-amerikanischen National Library of Medicine. Sie durchsucht vor allem MEDLINE, die große biomedizinische Literaturdatenbank, sowie weitere Bestände. Für die meisten medizinischen Doktorarbeiten ist PubMed deshalb der erste Anlaufpunkt. Die Volltexte selbst sind allerdings nicht immer frei verfügbar; Zugang erhalten Sie meist über die Universitätsbibliothek oder die Klinikbibliothek.
3. MeSH-Begriffe gezielt einsetzen
MeSH steht für Medical Subject Headings, ein kontrolliertes Vokabular, mit dem Artikel in MEDLINE inhaltlich erschlossen werden. Der Vorteil: Sie müssen nicht jede Schreibweise und jedes Synonym kennen. Wer nach dem MeSH-Begriff „Atrial Fibrillation“ sucht, findet auch Artikel, deren Autoren andere Formulierungen verwendet haben.
Über die MeSH-Datenbank in PubMed sehen Sie zu jedem Begriff seine Definition, seine Position im Begriffsbaum und mögliche Unterbegriffe. Standardmäßig werden untergeordnete Begriffe mitgesucht. Zusätzlich können Sie Subheadings wie „therapy“ oder „diagnosis“ nutzen und einen Begriff als Hauptthema eines Artikels eingrenzen.
Tipp: Kombinieren Sie MeSH-Begriffe immer mit einer Freitextsuche in Titel und Abstract, zum Beispiel mit dem Feld [tiab]. Ganz neue Artikel sind oft noch nicht verschlagwortet und würden bei einer reinen MeSH-Suche fehlen.
4. Boolesche Operatoren und Suchsyntax
Mit Booleschen Operatoren verbinden Sie Ihre Suchbegriffe logisch. Sie werden in PubMed in Großbuchstaben geschrieben.
- OR verbindet Synonyme innerhalb eines Suchblocks und erweitert die Treffermenge, etwa „atrial fibrillation“ OR „auricular fibrillation“.
- AND verknüpft verschiedene Suchblöcke und grenzt die Treffermenge ein, etwa Population AND Intervention.
- NOT schließt Begriffe aus. Setzen Sie ihn sparsam ein, weil dabei schnell relevante Artikel verloren gehen.
Klammern legen fest, in welcher Reihenfolge die Verknüpfungen ausgewertet werden. Anführungszeichen suchen nach einer exakten Wortfolge, und das Sternchen als Trunkierung findet verschiedene Wortendungen, zum Beispiel „anticoagula*“. Über die erweiterte Suche (Advanced Search) sehen Sie Ihre bisherigen Suchschritte im Verlauf und können sie nummeriert miteinander kombinieren. So bauen Sie eine komplexe Suche Schritt für Schritt auf.
5. Filter sinnvoll nutzen
PubMed bietet zahlreiche Filter, mit denen Sie die Ergebnisse eingrenzen können. Besonders hilfreich für Doktorarbeiten sind:
- Artikeltyp: zum Beispiel randomisierte kontrollierte Studien, systematische Reviews oder Metaanalysen
- Erscheinungszeitraum: sinnvoll, wenn sich Leitlinien oder Therapiestandards in einem bestimmten Zeitraum geändert haben
- Sprache: etwa Englisch und Deutsch
- Spezies und Alter: etwa Studien am Menschen oder bestimmte Altersgruppen
Filter sind praktisch, sollten aber begründet eingesetzt werden. Jede Eingrenzung müssen Sie später in der Methodik erklären können. Bei systematischen Übersichtsarbeiten ist ein Sprachfilter zum Beispiel nicht unproblematisch, weil relevante Studien wegfallen können.
6. Über PubMed hinaus: Cochrane und weitere Quellen
Für viele Fragestellungen reicht PubMed allein nicht aus. Die Cochrane Library enthält systematische Übersichtsarbeiten zu Therapien und Diagnostik sowie mit CENTRAL ein umfangreiches Register kontrollierter Studien. Gerade für die Einleitung und Diskussion Ihrer Arbeit sind Cochrane Reviews wertvoll, weil sie die Evidenz zu einer Frage bereits zusammenfassen.
Je nach Thema kommen weitere Datenbanken infrage, etwa Embase mit einem Schwerpunkt auf Pharmakologie oder Web of Science und Scopus für Zitationsanalysen. Viele davon sind lizenzpflichtig und über die Hochschule zugänglich. Google Scholar eignet sich gut, um einzelne Artikel oder graue Literatur zu finden, ist für eine systematische, reproduzierbare Suche aber wenig geeignet. Wichtig sind außerdem aktuelle Leitlinien der Fachgesellschaften, die Sie in der Einleitung kaum übergehen können.
7. Literaturverwaltung von Anfang an
Sobald sich die ersten Dutzend Studien sammeln, lohnt sich ein Literaturverwaltungsprogramm. Zotero ist kostenlos und quelloffen, Citavi und EndNote sind kommerzielle Programme, für die viele Hochschulen Lizenzen bereitstellen. Alle drei können Treffer direkt aus PubMed importieren, PDFs verwalten, Notizen speichern und Literaturverzeichnisse automatisch im gewünschten Zitierstil erstellen. In der Medizin ist häufig der Vancouver-Stil mit nummerierten Verweisen üblich; welcher Stil verlangt wird, legt Ihre Fakultät oder Betreuung fest.
Tipp: Vergeben Sie beim Import Schlagwörter, etwa für Einleitung, Methodik und Diskussion. So finden Sie beim Schreiben jedes Kapitels schnell die passende Literatur.
8. Die Suche dokumentieren
Eine Literaturrecherche ist nur so gut wie ihre Nachvollziehbarkeit. Notieren Sie für jede Suche das Datum, die Datenbank, den vollständigen Suchstring, die verwendeten Filter und die Zahl der Treffer. Bei systematischen Übersichtsarbeiten, einer der Formen der medizinischen Doktorarbeit, wird die Auswahl der Studien üblicherweise nach dem PRISMA-Schema mit einem Flussdiagramm dargestellt, von den Treffern über das Screening bis zu den eingeschlossenen Studien. Auch bei anderen Arbeiten hilft eine solche Dokumentation, wenn Gutachter nach der Methodik fragen.
Speichern Sie Ihre Suchstrategien außerdem direkt in PubMed. Mit einem kostenlosen Konto bei My NCBI können Sie Suchen sichern und sich über neue Treffer automatisch per E-Mail informieren lassen. So bleibt Ihre Literaturbasis auch dann aktuell, wenn sich die Arbeit über einen längeren Zeitraum erstreckt, und Sie bemerken neue Studien, die Sie in der Diskussion berücksichtigen sollten.
Checkliste für Ihre PubMed-Recherche
- Fragestellung nach dem PICO-Schema formuliert
- Für jedes Element passende MeSH-Begriffe und Freitext-Synonyme gesammelt
- Synonyme mit OR, Suchblöcke mit AND verbunden, Klammern gesetzt
- Filter bewusst gewählt und begründet
- Cochrane Library und gegebenenfalls weitere Datenbanken einbezogen
- Treffer in ein Literaturverwaltungsprogramm importiert
- Datum, Suchstring, Filter und Trefferzahl dokumentiert
- Suche vor der Abgabe aktualisiert
Fazit
Eine strukturierte PubMed-Recherche beginnt mit einer präzisen Frage, nutzt MeSH-Begriffe und Freitext gemeinsam, verbindet sie mit Booleschen Operatoren und setzt Filter nur begründet ein. Ergänzt durch die Cochrane Library, eine saubere Literaturverwaltung und eine lückenlose Dokumentation entsteht eine Grundlage, die Einleitung, Methodik und Diskussion Ihrer Doktorarbeit trägt. Wie sich die Literatur in den Aufbau Ihrer Arbeit einfügt, zeigt der Ratgeber zur Gliederung der medizinischen Doktorarbeit.
Häufige Fragen zur Literaturrecherche mit PubMed
Reicht PubMed für eine medizinische Doktorarbeit aus?
Für viele Arbeiten ist PubMed die wichtigste Quelle. Bei systematischen Übersichtsarbeiten wird jedoch meist erwartet, dass mehrere Datenbanken durchsucht werden, etwa zusätzlich die Cochrane Library oder Embase. Klären Sie den Umfang mit Ihrer Betreuung.
Wie aktuell muss die Literatur sein?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Die aktuelle Studienlage und gültige Leitlinien sollten Sie in jedem Fall berücksichtigen, grundlegende ältere Arbeiten dürfen ebenfalls zitiert werden. Aktualisieren Sie Ihre Suche kurz vor der Abgabe.
Welches Literaturverwaltungsprogramm sollte ich wählen?
Zotero, Citavi und EndNote erfüllen die wichtigsten Aufgaben zuverlässig. Entscheidend ist, ob Ihre Hochschule eine Lizenz anbietet, mit welchem Programm Ihre Arbeitsgruppe arbeitet und ob es zu Ihrem Textverarbeitungsprogramm passt.
Muss die Suchstrategie in der Doktorarbeit beschrieben werden?
Bei systematischen Übersichtsarbeiten ist das in der Regel unverzichtbar. Auch bei anderen Arbeiten ist eine kurze Beschreibung von Datenbanken, Suchbegriffen und Zeitraum in der Methodik sinnvoll.
Wenn Ihnen für eine gründliche Recherche neben der Klinik die Zeit fehlt, unterstützen wir Sie bei der Recherche und Auswertung der Fachliteratur und bei weiteren Schritten Ihrer medizinischen Doktorarbeit.