Vor dem leeren Dokument zu sitzen, ist besonders zermürbend, wenn die Zeit zwischen Diensten und Stationsarbeit ohnehin knapp ist. Eine klare Gliederung nimmt diesem Moment den Schrecken: Sie zeigt, was in welches Kapitel gehört, und erlaubt es Ihnen, auch in kurzen Arbeitsphasen gezielt an einzelnen Abschnitten weiterzuschreiben. Dieser Ratgeber erklärt den üblichen Aufbau einer medizinischen Doktorarbeit und gibt Ihnen eine Mustergliederung an die Hand.
Das Grundprinzip: IMRaD
Die meisten empirischen medizinischen Dissertationen folgen dem IMRaD-Schema, das auch in Fachartikeln üblich ist. Die Abkürzung steht für Introduction, Methods, Results and Discussion, im Deutschen also Einleitung, Material und Methoden, Ergebnisse und Diskussion. Die Logik dahinter ist einfach: Warum wurde die Studie durchgeführt? Wie wurde vorgegangen? Was wurde gefunden? Was bedeuten die Ergebnisse?
Diese Trennung ist streng gemeint. Im Methodenteil stehen keine Ergebnisse, im Ergebnisteil keine Interpretationen, und die Diskussion wiederholt nicht einfach die Ergebnisse. Wer diese Logik einhält, schafft automatisch einen roten Faden.
Wie die Kapitel im Einzelnen heißen, ob eine deutsche und eine englische Zusammenfassung verlangt werden und welche Verzeichnisse und Erklärungen dazugehören, legt die Promotionsordnung beziehungsweise das Merkblatt Ihrer Fakultät fest. Lesen Sie diese Vorgaben vor dem Schreiben; mehr dazu im Ratgeber zur Promotionsordnung Medizin.
Mustergliederung einer medizinischen Doktorarbeit
Die folgende Mustergliederung zeigt einen typischen Aufbau einer empirischen Arbeit, etwa einer klinischen oder retrospektiven Studie. Passen Sie sie an Ihr Thema und die Vorgaben Ihrer Fakultät an.
- Titelblatt
- Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- Zusammenfassung (häufig auch als englisches Abstract)
- Einleitung
- Hintergrund und Krankheitsbild
- Aktueller Forschungsstand
- Fragestellung und Hypothesen
- Material und Methoden
- Studiendesign und Studienkollektiv
- Ein- und Ausschlusskriterien
- Datenerhebung beziehungsweise Untersuchungsmethoden
- Statistische Auswertung
- Ethikvotum und Datenschutz
- Ergebnisse
- Beschreibung des Kollektivs
- Ergebnisse zur Hauptfragestellung
- Ergebnisse zu Nebenfragestellungen
- Diskussion
- Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
- Einordnung in die Literatur
- Stärken und Limitationen
- Schlussfolgerung und Ausblick
- Literaturverzeichnis
- Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
- Anhang, zum Beispiel Erhebungsbögen oder Fragebögen
- Eidesstattliche Erklärung, Lebenslauf und Danksagung nach Vorgabe der Fakultät
Was in die einzelnen Kapitel gehört
Zusammenfassung
Die Zusammenfassung steht am Anfang, wird aber zuletzt geschrieben. Sie gibt Hintergrund, Methodik, wichtigste Ergebnisse und Schlussfolgerung in knapper Form wieder und muss für sich allein verständlich sein. Viele Fakultäten machen genaue Vorgaben zur Länge.
Einleitung
Die Einleitung führt vom Allgemeinen zum Besonderen: vom Krankheitsbild über den Forschungsstand zur Forschungslücke und schließlich zu Ihrer Fragestellung. Bei einer Arbeit über Komplikationen nach Kniegelenkersatz etwa beschreiben Sie zunächst die Gonarthrose und die Versorgung, dann bekannte Risikofaktoren und am Ende, welche Frage bisher offen ist. Die Einleitung ist in vielen Arbeiten ein umfangreicher Teil. Hilfreich ist eine strukturierte Recherche in Datenbanken wie PubMed oder der Cochrane Library, bei der Sie Suchbegriffe und Treffer von Anfang an dokumentieren. Achten Sie darauf, aktuelle Übersichtsarbeiten und Leitlinien der Fachgesellschaften einzubeziehen, denn sie zeigen am besten, wo der Forschungsstand heute steht.
Material und Methoden
Hier beschreiben Sie so genau, dass Ihre Studie wiederholt werden könnte: Studiendesign, Zeitraum, Patientenkollektiv, Ein- und Ausschlusskriterien, erhobene Variablen, Messverfahren, Laborprotokolle und statistische Methoden einschließlich Software und Signifikanzniveau. Auch das Ethikvotum wird hier genannt. Dieses Kapitel lässt sich gut früh schreiben, oft schon parallel zur Datenerhebung.
Ergebnisse
Das Ergebniskapitel berichtet nüchtern, was Sie gefunden haben, gegliedert entlang Ihrer Fragestellungen. Tabellen und Abbildungen tragen hier die Hauptlast, der Text führt durch die wichtigsten Befunde, ohne alle Zahlen zu wiederholen. Hinweise zu Tests und Darstellung finden Sie in unserem Beitrag zur Statistik in der medizinischen Doktorarbeit.
Diskussion
Die Diskussion ist das anspruchsvollste Kapitel. Sie fassen die Kernergebnisse zusammen, vergleichen sie mit anderen Studien, erklären Übereinstimmungen und Abweichungen, benennen die Grenzen Ihrer Arbeit offen und leiten eine Schlussfolgerung ab. Gerade bei retrospektiven Arbeiten gehören Fragen der Datenqualität und möglicher Störgrößen in die Limitationen.
Umfang der Kapitel: Richtwerte statt starrer Regeln
Feste Vorgaben für den Umfang einzelner Kapitel gibt es nicht, aber einige Tendenzen sind typisch: Einleitung und Diskussion gehören meist zu den längeren Kapiteln. Der Methodenteil ist bei experimentellen Arbeiten oft ausführlicher als bei retrospektiven Auswertungen. Das Ergebniskapitel hängt stark davon ab, wie viele Tabellen und Abbildungen nötig sind. Die Zusammenfassung ist das kürzeste Kapitel.
Wichtiger als der reine Umfang ist das Verhältnis der Kapitel zueinander. Eine Einleitung, die deutlich länger ist als die Diskussion, deutet oft darauf hin, dass zu viel Lehrbuchwissen wiedergegeben wird. Ein sehr knapper Methodenteil wiederum lässt Gutachterinnen und Gutachter an der Nachvollziehbarkeit zweifeln.
Auch die Art der Doktorarbeit verändert die Gewichtung. Eine systematische Übersichtsarbeit braucht einen ausführlichen Methodenteil zur Suchstrategie und Studienauswahl, eine experimentelle Arbeit eine genaue Beschreibung der Versuchsprotokolle.
Tipp: Schreiben Sie nicht in der Reihenfolge der Gliederung. Bewährt hat sich: zuerst Material und Methoden, dann Ergebnisse, danach Diskussion und Einleitung, ganz zum Schluss die Zusammenfassung.
Abweichende Gliederungen: Literaturarbeit und kumulative Dissertation
Nicht jede medizinische Doktorarbeit folgt eins zu eins der Mustergliederung. Bei einer systematischen Übersichtsarbeit ersetzt die Beschreibung der Suchstrategie das klassische Studienkollektiv: Sie geben an, welche Datenbanken Sie durchsucht haben, mit welchen Suchbegriffen und in welchem Zeitraum, nach welchen Kriterien Sie Studien ein- und ausgeschlossen haben und wie Sie deren Qualität bewertet haben. Im Ergebnisteil folgen dann ein Flussdiagramm zur Studienauswahl, eine Übersicht über die eingeschlossenen Studien und gegebenenfalls die Metaanalyse.
Bei einer kumulativen Dissertation besteht der Kern aus veröffentlichten Fachartikeln, die durch einen Rahmentext verbunden werden. Dessen Gliederung lehnt sich an IMRaD an, fasst aber mehrere Arbeiten zusammen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Publikationspromotion in der Medizin.
Medizinhistorische oder medizinethische Arbeiten sind häufig thematisch gegliedert. Auch hier gilt aber: Fragestellung, Quellen und Vorgehen müssen klar beschrieben sein, und am Ende steht eine Diskussion, die die Ergebnisse einordnet.
Typische Fehler beim Aufbau
Viele Gliederungsprobleme zeigen sich erst beim Schreiben. Häufig sind Einleitungen, die ein Lehrbuchkapitel zum Krankheitsbild nachzeichnen, ohne auf die eigene Fragestellung hinzuführen. Ebenso verbreitet sind Ergebniskapitel, in denen bereits interpretiert wird, und Diskussionen, die Ergebnisse nur wiederholen, statt sie mit der Literatur zu vergleichen. Auch Fragestellungen, die in der Einleitung angekündigt, im Ergebnisteil aber nicht beantwortet werden, fallen Gutachterinnen und Gutachtern schnell auf.
Checkliste: Ist Ihre Gliederung tragfähig?
Prüfen Sie Ihre Gliederung anhand der folgenden Fragen, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen:
- Leitet die Einleitung schlüssig zu einer klar formulierten Fragestellung hin?
- Findet jede Fragestellung eine Entsprechung in Methoden, Ergebnissen und Diskussion?
- Sind Methoden und Ergebnisse sauber voneinander getrennt?
- Entsprechen Kapitelbezeichnungen, Verzeichnisse und Erklärungen den Vorgaben der Fakultät?
- Sind die Hierarchieebenen ausgewogen, ohne zu viele Unterpunkte mit nur einem Absatz?
- Wurde die Gliederung mit der Betreuung abgestimmt?
Fazit
Eine gute Gliederung der medizinischen Doktorarbeit folgt der IMRaD-Logik, berücksichtigt die Vorgaben der Fakultät und spiegelt Ihre Fragestellung in jedem Kapitel wider. Sie ist der Plan, an dem Sie sich in kurzen Arbeitsphasen orientieren können. Wer die Gliederung früh mit der Betreuung abstimmt und die Kapitel in sinnvoller Reihenfolge schreibt, spart viel Überarbeitungszeit.
Häufige Fragen zur Gliederung der medizinischen Doktorarbeit
Muss jede medizinische Doktorarbeit nach IMRaD aufgebaut sein?
Empirische Arbeiten folgen in den meisten Fällen diesem Schema. Literaturarbeiten, medizinhistorische oder ethische Arbeiten können davon abweichen. Verbindlich sind die Vorgaben Ihrer Fakultät und die Absprache mit Ihrer Betreuung.
Wie viele Gliederungsebenen sind sinnvoll?
Für die meisten medizinischen Dissertationen reichen drei Ebenen aus. Mehr Ebenen machen die Arbeit schnell unübersichtlich. Jeder Gliederungspunkt sollte genug Inhalt haben, um ein eigenes Unterkapitel zu rechtfertigen.
Wann sollte die Gliederung mit der Betreuung abgestimmt werden?
Am besten vor dem Schreiben der ersten Kapitel. Eine früh abgestimmte Gliederung verhindert, dass später ganze Abschnitte umgebaut werden müssen.
Wir erstellen mit Ihnen Gliederung und Zeitplan für Ihre Dissertation und begleiten Sie bis zur fertigen Fassung. Mehr erfahren Sie auf unserer Seite zur Unterstützung bei der Dr.-med.-Arbeit. Wenn Ihr Vorhaben noch am Anfang steht, ist eine Disposition mit vorläufiger Gliederung der passende erste Schritt.